Willkommen zu dem ersten Blog-Eintrag auf dieser Seite!
Hier wird es erstmal nicht ums Piercen gehen sondern um mich, den Weg, den ich gegangen bin und den, den wir bis jetzt zusammen gegangen sind.
Mein Interesse an Körpermodifikationen fing schon als junges Mädchen an, vielleicht sogar bevor ich ein Teenager war. Als ich mit 13-14 Jahren dann Internetzugriff hatte, fand ich mich in einer neuen Welt; es gab so viel zu entdecken. Gedehnte Piercings – nicht nur im Ohr, Zungenspaltungen, Gesichtstattoos, Playpiercings – und ich wusste sofort, da will ich hin.
Am Anfang waren meine Eltern natürlich nicht begeistert, wie von vielen wahrscheinlich nicht. Da ich Minderjährig war, hielt meine Mum mich ein bisschen im Zaun. Das fand ich früher total scheiße, jetzt bin ich dankbar und verstehe, dass es das beste war. Ich hatte meine Ohrlöcher schon mit zwei oder drei Jahren und durfte auch meine 2. und 3. Reihe schon mit 14 Jahren piercen lassen, auch ein Helix war damals schon drin.
Natürlich alles geschossen – das ist aber ein anderes Thema.
Das war aber nicht genug und ich konnte mein erstes Nostril zu meinem 17. Geburtstag ergattern. Die paar Piercings haben mich schon viel Diskussion und meine Eltern alle Nerven gekostet. Damals war ich aber ein Fuchs und habe ein paar Monate vor meinem 18. einfach angefangen mir mit gefälschten Einverständniserklärungen neue Piercings stechen zu lassen (genau deswegen pierce ich heute nicht, wenn die erziehungsberechtigte Person nicht dabei ist). War das richtig und rückwirkend schlau? Definitiv nicht!
Ich habe meinen Körper überfordert und bin an nicht so seriöse Dienstleister geraten – die Narben hab ich 6 Jahre später auch noch deutlich sichtbar an meinem Körper. Als ich dann endlich 18 Jahre alt war ging es richtig los, ich bin fast jede Woche zum Piercer gerannt und mich immer mehr mit dem Thema, dem Prozess und anderen Piercern befasst.
Ich bereue keins meiner Piercings, auch wenn ich viele davon nicht mehr trage und die Narben bleiben, trotzdem plane ich immer noch neue und bewundere täglich die Arbeit von anderen und finde neue Ideen.
Schnell war ich bei 20 + Piercings, viele im Gesicht, meine Eltern schon fast verzweifelt; was ist mit meinem Job, wo kann ich so arbeiten?
Ich hatte nie einen richtigen Traumjob, ich habe viel angefangen oder probiert, aber alles was mir wichtig war, war Geld verdienen, um meine Modifikationen bezahlen zu können und mit diesen deutlich sichtbar arbeiten zu können. Heutzutage kann man in vielen Berufen ohne Probleme auch mit „anderem Auftreten“ anfangen, aber ich würde Lügen, wenn ich sage es gäbe keine Vorurteile oder Nachteile. Bei Bewerbungsgesprächen habe ich teilweise Piercings entfernt, meine Haare umgefärbt und meine blaue Skinny Jeans aus dem Schrank gekramt – aus Angst anders nicht akzeptiert zu werden, sicher war sicher! Ich hatte natürlich oft mit dem Gedanken gespielt einfach selber zu tätowieren oder zu piercen.
Tätowiert hab ich mich bis dahin nur selber und dabei sollte es besser auch bleiben. Das kann man zwar lernen, aber mein Main Interesse war immer das Piercen. Aber wie macht man das? Es gibt sehr fragwürdige Kurse, die einem das in ein bis zwei Tagen vermitteln sollen und einen Arsch voll Geld kosten.
Mit ein bisschen Research sieht man schnell – Scam. Nicht nur weil ein paar Tage nicht reichen, sondern auch der vermittelte Inhalt ist oft schlichtweg „falsch“.
Die andere Option ist also einen „Ausbildungsplatz“ zu finden!
Aber wo? Keiner bildet gerne die Konkurrenz, vor allem nicht mit Vergütung. Außerdem gibt es (meines Wissens nach) im Umkreis einfach kein Studio, das so arbeitet, wie ich es gerne wollte. Das soll kein Bashing werden, aber die Gründe werde ich auch in ein paar anderen Beiträgen näher erklären.
So kommen wir endlich zum interessanten Part:
So entstand piercedbybat
Ich meldete also ein Gewerbe an und suchte nach Personen, die mir auf meiner Reise helfen wollten und als Versuchskaninchen herhalten.
War das super schlau und würde ich das nochmal so machen?
Nein, heute bin ich schlauer, aber ich wusste es da einfach nicht besser!
Ich durfte auf diese Weise unglaublich viele tolle Menschen kennenlernen, hatte einen vergebenen Raum, um Fehler zu machen und selber dazuzulernen.
Schnell habe ich gemerkt, dass es das war, was ich machen will.
Ich wollte keinen Job, der mein Aussehen und meine Leidenschaft toleriert,
ich wollte einen Job, der es wertschätzt, der meine Leidenschaft ist.
Meinen Hauptjob kündigen und ein Studio zu eröffnen, war allerdings keine realistische Option.
Ich hatte tierisch Angst diesen Schritt zu gehen und bin immer jemand der lieber auf Nummer sicher geht, anstatt auf meinen Bauch zu hören.
Also suchte ich ein bestehenden Studio, in dem ich einen Stuhl (den ich selber mitgebracht habe) mieten konnte und dort einmal die Woche gepierct habe.
Erst lief es kaum an, ich bin etwas Social Media faul und habe wenig von mir und meiner Arbeit gezeigt – wie soll das dann auch was werden.
Mein Partner tritt mir bei dem Thema ein bisschen in den Arsch und meinte auch, ich solle einfach eine Aktion machen und mal was posten. Wenn die Leute von mir wissen, mich als Privatperson besser kennenlernen und von meiner „Mission“ hören, kann es nur bergauf gehen – und vielleicht lest ihr das gerade auch genau Dank diesem Impuls.
Also postete ich; eine Aktion zum Valentinstag.
Wenn ich an dem Tag schon arbeiten „muss“ und nicht mit ihm verbringen kann, dann wollte ich wenigstens beschäftigt sein. Und ich war sehr beschäftigt.
Der Post bekam schnell über 300.000 Klicks und tausende Kommentare, Anfragen und Follower. Die Tage waren hart, aber haben sich gelohnt.
Nun stand ich vor einer Entscheidung:
Zahl ich mit dem Geld meine Schulden ab, die ich fürs Piercen aufgenommen habe oder geh ich diesmal ein Risiko ein und erreiche vielleicht wovon ich seit Jahren Träume.
Wofür ich mich entschieden habe, seht ihr gerade.
Die Aktion war schön und hat mir und anderen sehr viel Freude gemacht,
aber ich habe dadurch auch Punkte gefunden, die ich in Zukunft gerne anders machen würde:
Ich möchte mehr Zeit für euch, zum Kennenlernen, für die Aufklärung, für die Vor- und Nachbereitung, für eine entspannte Wohlfühlatmosphäre.
Ich möchte nicht einfach Kunde nach Kunde und mich nach einer Stunde nicht mehr genau daran erinnern was ich wem erzählt habe und durchgehend unter Strom stehen und das auf andere übertragen.
Genau deswegen und dafür entsteht jetzt:
body art temple
Ich wollte den Namen, unter dem ich bis jetzt gearbeitet habe ungerne aufgeben, ich baue immer schnell komische Verbindungen zu random Dingen auf,
aber ich will auch diesen Neuanfang.
Es hat sich nicht nur bei der Arbeit viel verändert sondern auch bei mir, aber bat ist ein Teil dieser Reise gewesen. Deswegen hab ich mich dazu entschieden aus den einzelnen Buchstaben meines Namens den Studionamen zu basteln:
body art temple
Bat wird es also immer noch geben, auch die alten Social Media Kanäle werde ich weiter führen, als die piercende Person, die neuen Accounts als Studioinhaberin.
Ich möchte alles auf ein neues Level bringen, ich möchte, dass Piercen hier mehr als eine schnelle Dienstleistung wird. Vertrauen, Geduld und Verfügbarkeit.
Durch den Umzug des Studios zurück in meinen Wohnort kann ich jetzt jeden Tag vor Ort sein und flexibler bei Problemen oder Terminen sein.
Neben dem Empfangsbereich gibt es einen separaten Piercingraum für mehr Privatsphäre, einen extra Steri-Raum, um allen Hygienevorschriften gerecht zu werden und eine Terrasse, falls ihr einen Moment durchatmen müsst, ohne an der Straße zu stehen.
Ich bin unglaublich dankbar für diese Möglichkeit und hoffe euch das beste Piercingerlebnis zu ermöglichen!
Vielen Dank an meine Familie, die meinen anfangs utopischen Traum bis hier hin so unterstützt, danke an jeden, der mir vertraut (hat) und mir damit geholfen hat mich täglich zu verbessern und besonderen Dank an meinen Partner, der das ganze ins Rollen gebracht hat und mir mentale Last abnimmt!
Und natürlich vielen Dank fürs Lesen, ich hab euch lieb!
